A sweet and mad Christmas: Intoxikation durch pontischen Honig – Case Report
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.76Abstract
Vital bedrohliche Intoxikationen treten immer wieder auch durch legal zu erwerbende Lebensmittel auf. Bereits publiziert durch Cagli et al. sowie Silici et al. wurden solche seltenen Fälle dokumentiert.[1,2] In einem Tourismusgebiet besteht zusätzlich die Gefahr, dass ein Geschenk bei falscher Anwendung/Dosierung zu einer akzidentellen Intoxikation führt. Dies muss bei der Anamnese dringend Beachtung finden.
Das initiale Assessment durch den Notarzt zeigte einen respiratorisch stabilen Patienten mit einem Symptomkomplex aus Schmalkomplexbradykardie und einer Vigilanzstörung und Halluzinationen. Unter permanentem Monitoring erfolgte der Transport in den Schockraum. Hier zeigte sich eine ausgeprägte Bradykardie mit 27/min. Im Schockraum wurden 0,5 mg Atropin i.v. sowie 2 mg Midazolam i.v. verabreicht. Es zeigte sich ein direktes Ansprechen mit einer Herzfrequenz von 55/min. Es erfolgte die intensivmedizinische Versorgung. In der laborchemischen Untersuchung zeigten sich unauffällig Serum- und Harnbefunde, vor allem der Drogenharn war negativ. Nach der typischen Halbwertszeit einer Ampulle Atropin (Abfall der Herzfrequenz auf < 30/min) kam es zu einer erneuten Gabe von 0,5 mg. Aufgrund der protrahierten Bradykardie wurde ein Atropinperfusor (5 mg/50 ml mit einer Laufrate von 2,1 ml/h) gestartet. Es stellte sich eine mittlere Herzfrequenz von 50–60/min ein. In weiterer Folge wurde eine Sedierung mit Lorazepam durchgeführt. Nach fünf Stunden wurde der Atropinperfusor ausgeschlichen. Unter symptomorientierter Therapie zeigte sich ein rasches Sistieren der Halluzinationen (HWZ des halluzinogenen Honigs von bis zu 24 h).
Der Patient konnte bereits am Folgetag symptomfrei entlassen werden. Ursächlich zeigte sich ein Weihnachtsgeschenk aus pontischem Honig aus Nepal. Anstatt Keksen hatte der Patient am Heiligen Abend 100–150 ml pontischen Honig verzehrt und eine Intoxikation durch Grayanotoxine erlitten. Dieser besondere Honig wird durch den Pollen einer speziellen Rhododendronpflanze von Honigbienen gewonnen und ein unsachgemäßer Konsum kann vital bedrohliche Folgen ausweisen.
References
Cagli KE, Tufekcioglu O, Sen N, et al. Atrioventricular block induced by mad-honey intoxication: confirmation of diagnosis by pollen analysis. Tex Heart Inst J. 2009;36(4):342-4.
Silici S, Atayoglu AT. Mad honey intoxication: A systematic review on the 1199 cases. Food Chem Toxicol. 2015;86:282-90. DOI: 10.1016/j.fct.2015.10.018