Versorgung von Neugeborenen nach ungeplanter außerklinischer Geburt im steiermärkischen Notarztdienst – eine retrospektive Fallanalyse der Jahre 2017–2024
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.78Abstract
Fragestellung Die außerklinische Versorgung Neugeborener stellt eine besondere Herausforderung für Notärztinnen und Notärzte dar. Für die Steiermark lagen bislang keine systematisch erhobenen Daten zur Häufigkeit ungeplanter außerklinischer Geburten vor.
Methoden In dieser retrospektiven Fallanalyse wurden alle notärztlich begleiteten außerklinischen Geburten zwischen Jänner 2017 und August 2024 erfasst. Grundlage bildeten Datensätze des steiermärkischen Amts für Notfall- und Katastrophenmedizin sowie des Österreichischen Roten Kreuzes (Landesverband Steiermark). Die Fälle wurden über das elektronische Krankenhausinformationssystem mit den Aufnahmedaten der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. abgeglichen. Erhobene Parameter umfassten Gravidität, Parität, Gestationsalter, Geburtsgewicht, neonatale Mortalität und Körpertemperatur bei Aufnahme.
Ergebnisse Insgesamt wurden 173 ungeplante außerklinische Geburten dokumentiert, darunter 16 (9 %) Frühgeburten (< 37+0 Schwangerschaftswochen). Der Median (IQR) der Gravidität betrug 3 (2–3), jener der Parität 2 (2–3). In 19 (11 %) Fällen handelte es sich um Erstgebärende, in neun (5 %) um eine unbekannte Schwangerschaft. Fünf (3 %) Geburten erfolgten aus Beckenendlage.
Das mediane (IQR) Gestationsalter lag bei 39+3 SSW (38+5–40+0), das Geburtsgewicht bei 3250 g (2980–3460). Das unreifste Frühgeborene wurde in der 26+4 SSW mit 845 g geboren.
Insgesamt verstarben fünf (3 %) Neugeborene peripartal (vier Frühgeborene, ein Reifgeborenes). Bei einem Frühgeborenen gelang präklinisch eine primär erfolgreiche kardiopulmonale Reanimation, bei einem Reifgeborenen blieb diese erfolglos.
Bei sechs von 13 (46 %) stationär aufgenommenen Frühgeborenen wurde eine Aufnahmetemperatur dokumentiert (Median [IQR] 34,8 °C [33,9–35,7]; Minimum 31,5 °C). Bei stabilen Reifgeborenen wurde die Aufnahmetemperatur nur in Einzelfällen dokumentiert.
Schlussfolgerung Mit durchschnittlich rund 23 ungeplanten außerklinischen Geburten pro Jahr in der Steiermark sind derartige Einsätze im Notarztdienst selten, stellen jedoch insbesondere bei Frühgeborenen ein klinisch relevantes Einsatzszenario mit erhöhter Morbidität und Mortalität dar. Beobachtete Hypothermien und Dokumentationsdefizite unterstreichen die Bedeutung standardisierter präklinischer Maßnahmen sowie gezielter Fortbildungskonzepte.