Auswertung möglicher Indikationen für präklinische Blutgasanalysen eines ländlichen Notarzteinsatzfahrzeugs — eine retrospektive Analyse
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.83Keywords:
blood gas analysis, BGA, Blutgasanalyse, Präklinische Notfallmedizin, BGA-Indikation, Präklinische Blutgasanalyse, Präklinische BGAAbstract
Fragestellung Anders als im Krankenhaus ist die Blutgasanalyse (BGA) im präklinischen Setting nicht flächendeckend etabliert, obwohl es Patient*innengruppen gibt, die von einer Analyse ihrer Blutgase, ihres Säure-Basen-Haushalts oder ihres Elektrolytstatus profitieren könnten. Beispiele für solche Indikationen sind Herz-Kreislauf-Stillstände, Oxygenierungs- sowie Ventilationsprobleme, Elektrolytstörungen, Intoxikationen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Schädel-Hirn-Traumata und Polytraumata.[1–3]
In dieser Studie sollen Einsatzprotokolle des Notarzteinsatzfahrzeugs (NEF) St. Johann in Tirol retrospektiv auf Notfälle, bei denen eine Blutgasanalyse potenziell indiziert gewesen wäre, untersucht werden.
Methoden Es wurden alle Einsätze vom 01.01.2023 bis 31.12.2023 von diesem Notarzteinsatzmittel gescreent. Fehleinsätze, Einsätze mit Patient*innen unter 18 Jahren, Einsätze ohne Patient*innenversorgung und Protokolle, aus denen keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden konnten, wurden aus der Analyse ausgeschlossen.
Ergebnisse Das NEF St. Johann in Tirol wurde im Jahr 2023 zu 1.383 Einsätzen disponiert, wovon 1.059 in diese Studie eingeschlossen wurden. Davon gab es 269 (25,4 %) Einsätze, bei denen eine BGA möglicherweise nützlich gewesen wäre. Hiervon waren 218 (81,0 %) internistisch, 47 (17,5 %) neurologisch und 4 (1,5 %) traumatologisch. Von den internistischen Einsätzen waren 61 Patient*innen bewusstseinsgetrübt, 43 Patient*innen hatten ein respiratorisches Problem und 37 erlitten nicht-traumatische Herz-Kreislauf-Stillstände. Krampfanfälle machten alle 47 neurologischen Einsätze aus. Als Trauma-Einsätze wurden ein intubiertes Polytrauma, zwei intubierte Schädel-Hirn-Traumata und eine Trauma-Reanimation ausgewertet.
Diskussion Es konnte gezeigt werden, dass es im Einzugsgebiet des NEF St. Johann in Tirol im Beobachtungszeitraum aus 1.059 Einsätzen bei 269 Patient*innen eine mögliche Indikation zur präklinischen Analyse von Blutgasen, des Säure-Basen-Status oder der Elektrolyte gab. Präklinische Arbeitsdiagnosen sind oft mit Unsicherheiten behaftet.[4] Ob die gestellten Diagnosen den tatsächlich vorliegenden Erkrankungen/Störungen entsprachen und ob eine BGA eine Verbesserung der Patient*innenversorgung und des Patient*innenoutcomes bewirkt hätte, kann aufgrund des Studiendesigns in dieser Arbeit nicht beurteilt werden. Hierzu sind weitere Studien nötig.
References
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