Überleben ist nicht genug: Neuropsychologisches Outcome nach OHCA – Methodikvorschlag
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.92Keywords:
OHCA, ROSC, Neuropsychological OutcomeAbstract
Fragestellung Überleben nach außerklinischem Herzstillstand (OHCA) ist mittlerweile nicht mehr das Hauptziel einer Reanimation, sondern das Erlangen eines möglichst guten neurologischen Outcomes. Neben klassischen Parametern wie dem Cerebral Performance Category (CPC)-Score[1] gewinnen psychische Langzeitfolgen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sowie Erinnerungen während der Reanimation (CPR-induced awareness) zunehmend an Bedeutung für eine ganzheitliche Outcome-Bewertung. Ziel ist die Vorstellung eines multidimensionalen methodischen Konzepts zur erweiterten Outcome-Erfassung nach OHCA.
Methodik Im Rahmen einer prospektiven, beobachtenden Reanimationsstudie wurden erwachsene Patient*innen mit Return of Spontaneous Circulation (ROSC) eingeschlossen. Das primäre neurologische Outcome wurde anhand des Cerebral Performance Category Scores (CPC)[1] erhoben. Zur Detektion von Bewusstsein während kardiopulmonaler Reanimation, etwa Wahrnehmungen, Erinnerungen und potenzielle Dissoziationserfahrungen, und damit der Symptomatik einer PTBS ähnlich, wurde ergänzend die Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5 (CAPS-5)[2] eingesetzt. Außerdem erfolgte zur Erfassung traumaassoziierter Belastungssymptome aus der Fremdperspektive nahestehender Angehöriger die Anwendung des Essener Trauma-Inventars – Fremdbeurteilung (ETI-F).[3] Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen standardisierter Nachkontrollen nach einem und sechs Monaten. Erinnerungen an die Reanimation wurden qualitativ erfasst, kategorisiert und explorativ in Beziehung zu psychischen Outcomes sowie zum neurologischen Schweregrad gesetzt.
Ergebnisse & Diskussion Zwei überlebende Patient*innen zeigten ein exzellentes neurologisches Outcome (CPC 1) nach einem Monat und berichteten über keine bewussten Erinnerungen an die Reanimationssituation. Dennoch zeigten sich bei beiden nach einem Monat diskrete, subklinische Symptome einer posttraumatischen Belastungsreaktion, die auch durch die Fremdbeurteilung nahestehender Personen bestätigt wurden (siehe Tabelle 1). Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz psychischer Nachkontrollen auch bei sehr gutem neurologischem Outcome. Die Kombination neurologischer, psychischer und subjektiver Erfahrungsparameter ermöglicht eine umfassendere Charakterisierung des postreanimationsbezogenen Outcomes und kann zur stärkeren Berücksichtigung patient*innenzentrierter Endpunkte beitragen.
References
Jennett B, Bond M. Assessment of outcome after severe brain damage: a practical scale. Lancet. 1975;305(7905):480–484. doi:10.1016/S0140-6736(75)92830-5.
Tagay S, Düllmann S, Senf W. Essener Trauma-Inventar: Fremdbeurteilung (ETI-F). Essen: LVR-Klinikum Essen, Universität Duisburg-Essen; 2009.
Schnyder U, Müller J, Morina N, Schick M, Bryant RA, Nickerson A. Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5 (CAPS-5): Deutsche Version. Zürich: Universität Zürich; 2015.