Messung der zerebralen Pulsfrequenz mittels pulsatiler Nahinfrarotspektroskopie während der postnatalen Reanimation – ein Fallbericht
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.103Abstract
Hintergrund Zeigt ein avitales Neugeborenes nach 30 Sekunden effektiver Maskenbeatmung weiterhin eine Herzfrequenz <60/min, ist gemäß Leitlinien eine kardiopulmonale Reanimation (cardiopulmonary resuscitation, CPR) im Verhältnis 3:1 zu beginnen. Die Thoraxkompressionen sollen dabei mit einer Tiefe von einem Drittel des anterior-posterioren Thoraxdurchmessers durchgeführt werden. Etablierte physiologische Feedback-Parameter zur Beurteilung der Effektivität von Thoraxkompressionen fehlen bislang. Wir berichten über die erste klinische Anwendung eines neu entwickelten pulsatilen Modus des Nahinfrarotspektroskopie(NIRS)-Monitors NIRO 200NX (Hamamatsu Photonics, Japan), der eine kontinuierliche, nicht-invasive Messung der zerebralen Pulsfrequenz (zPF) ermöglicht.
Fallbeschreibung Ein weibliches Reifgeborenes (40+3 Schwangerschaftswochen) wurde nach Schulterdystokie asystol, apnoeisch und schlaff geboren. Trotz suffizienter Maskenbeatmung persistierte die Bradykardie <60/min, sodass mit CPR begonnen wurde. Ein an der Stirn applizierter NIRS-Sensor zeigte unter laufender CPR eine zPF von etwa 100/min. Nach circa 45 Sekunden stieg die Herzfrequenz auf >100/min an, sodass die Thoraxkompressionen ohne Adrenalingabe beendet wurden. Zwei Minuten nach Intubation entwickelte das Neugeborene eine Breitkomplextachykardie (200–220/min) bei allseits tastbaren peripheren Pulsen. Der pulsatile NIRS-Modus zeigte dabei eine zPF von etwa 160/min, als Hinweis auf eine normofrequente zerebrale Perfusion mit Pulsdefizit, während pulsoxymetrisch weder Herzfrequenz noch Sauerstoffsättigung ableitbar waren. Die Tachykardie sistierte nach 30 Sekunden spontan und das Neugeborene wurde folgend auf der neonatologischen Intensivstation aufgenommen. Die Extubation erfolgte am zweiten Lebenstag. Eine bilaterale Erb-Parese besserte sich sukzessive unter Physiotherapie. Nach drei Wochen wurde das Neugeborene kardiorespiratorisch stabil und klinisch-neurologisch unauffällig entlassen. Im zerebralen MRT vor Entlassung zeigte sich ein kleines Ischämieareal im Thalamus.
Zusammenfassung Wir berichten über die erfolgreiche Anwendung des pulsatilen NIRS-Modus während einer postnatalen CPR, der mittels zPF-Messung eine objektive Beurteilung der Effektivität der Thoraxkompressionen ermöglichte. Basierend darauf sollte der potentielle Nutzen der mittels pulsatiler NIRS gemessenen zPF als Feedback-Parameter während low-cardiac-output-Situationen weiter untersucht werden.